Category Archive: Meine Meinung

Wie die Telekom ihre Kunden belügt

Heute mal ein Post, in dem es nicht um Fotografie geht. Es geht um die Telekom, genauer gesagt um deren Telefon-Hotline, noch genauer gesagt um die Leute, die per Telefon Dinge verkaufen (wollen). So bekam ich die Tage auf meinem Handy einen Anruf von einer netten Dame vom Telekom-Service, welche sich dafür bedankte, dass ich schon so lange Kunde bei der Telekom sei. Und weil ich so ein treuer Kunde wäre, wolle man mir ein spezielles Angebot machen: Ich solle zusätzlich zu meinem bestehenden Vertrag eine zweite SIM-Karte, eine sogenannte “CombiCard” bekommen, und das zu einem tollen Preis. Statt der bisherigen 39,95, die ich für meinen Complete Mobil-Tarif zahle, solle ich laut der Dame nur noch 19,95 zahlen müssen, und hätte dann auf der zweiten Karte zusätzlich nochmal 120 Freiminuten sowie eine D1- und Festnetz-Flatrate.

Das kam mir schon etwas komisch vor… die Telekom schenkt mir die halbe Grundgebühr und obendrauf noch eine zweite SIM-Karte mit Freiminuten? Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch nicht. Also nochmal nachgefragt: Ich zahle dann in Zukunft wirklich nur noch 19,95 im Monat, und nicht etwa 39,95 PLUS 19,95 für die zweite SIM-Karte? Ja, genau so sei das, versichert mir die Dame, nur 19,95 im Monat. Na gut, denke ich mir, eine zweite Karte brauche ich zwar nicht, aber gegen eine Halbierung der Grundgebühr habe ich natürlich auch nichts, und das erkläre ich der Dame am Telefon auch. Klar, sagt sie, würde sie ja auch machen, sei doch eine tolle Sache. Sie müsse das ganze jetzt nur noch einmal zu Dokumentationszwecken aufzeichnen. Ich frage nochmal nach: Und ich habe dann in Zukunft tatsächlich nur noch 19,95 auf der Rechnung stehen, und nicht etwa noch die 39,95 vom regulären Tarif? Ja, genau. Na gut, dann passt ja alles, also beauftrage ich sie mit der Änderung. Sie bestätigt mir die Buchung des Tarifs CombiCard Call L und verabschiedet sich.

Nach einer Weile werde ich aber etwas misstrauisch und schaue mal auf der Telekom-Website nach, was es denn mit diesem Tarif auf sich hat. Und siehe da, der Tarif “Call L” besagt, dass man tatsächlich 19,95 zahlen muss – ZUSÄTZLICH zum regulären Tarif. Mir schwant übles… Kann es sein, dass mich die Mitarbeiterin der Telekom geradeheraus angelogen hat, was die Kosten des von ihr angepriesenen Tarifes angeht? Das darf doch eigentlich nicht wahr sein.

Da die Hotline der Telekom oft genug total überlaufen ist, entschließe ich mich, über Twitter Kontakt mit dem Kundendienst aufzunehmen und einfach mal nachzufragen, was denn nun genau auf meinem Account gebucht wurde und was ich jetzt demnächst wirklich bezahlen soll. Nach ein paar @-Replies und wenigen Direktnachrichten schildere ich meine Frage  per eMail und erhalte kurz darauf Nachricht, dass mein Anliegen geprüft werde und ich voraussichtlich morgen eine Antwort erhalten werde (es ist kurz vor 20 Uhr und dann hat der Twitter-Kundendienst Feierabend). Am nächsten Tag erhalte ich dann einen Anruf von einer sehr freundlichen Dame aus dem Twitter-Team der Telekom, welche meine Befürchtungen bestätigt: Nach aktuellem Stand ist die CombiCard zusätzlich zu meinem normalen Tarif gebucht, so dass ich in der Summe knapp 60 Euro monatlich zahlen müsste. Sie fragt noch einmal nach, wie das Gespräch mit der Kundenberaterin vom Vortag gelaufen ist und ist vom dreisten Verhalten der Kollegin wenig begeistert. Leider ist sie jedoch nicht in der Lage, herauszufinden, wer diese Buchung vorgenommen hat, und auch mir ist der Name der lügenden Verkaufsberaterin entfallen. Sie entschuldigt sich mehrfach für das Verhalten der Kollegin und storniert dann die Buchung der CombiCard. Gut, dass ich nochmal nachgefragt habe, denn hätte ich mich erst nach der ersten Rechnung über 60,- Euro beschwert, wäre die Widerrufsfrist schon abgelaufen gewesen, und ich hätte die CombiCard für die nächsten Monate zahlen müssen.

Was bleibt? Ein großes Kompliment an das Twitter-Team von @Telekom_hilft, die schnell und unkompliziert geholfen haben, und eine riesen Wut auf die Verkaufs”berater” der Telekom. Es ist ja per se nichts verwerfliches daran, wenn man seinen Kunden noch die eine oder andere Option zusätzlich zum bestehenden Vertrag verkaufen möchte. Was aber gar nicht geht, ist, den Kunden über die tatsächlichen Kosten zu belügen, um ihn so zum Abschluss zu bewegen. So etwas kann man schon nicht mit Neukunden machen, und erst recht nicht mit Bestandskunden! Nach der Aktion habe ich erstmal sämtliche Kommunikation zum Thema Angebote unterbunden (man kann das in der Kontoverwaltung online abwählen) und denke ernsthaft darüber nach, den Mobilfunkanbieter zu wechseln. Tut mir dann zwar leid für die wirklich vorbildlich arbeitenden Leute vom Twitter-Team, aber wenn ich als Kunde offen angelogen werde ist, um es mit Wulff zu sagen, “der Rubikon überschritten”.

Quo vadis, Canon?

Seit gut dreieinhalb Jahren benutze ich Canon-Kameras und -Objektive, und bisher war ich (fast) immer sehr zufrieden damit. Ein nicht unerheblicher Grund für meine Entscheidung, im Jahr 2008 eine Kamera von Canon zu kaufen, war die Tatsache, dass Canon immer ein wenig günstiger als z.B. Nikon war und darüber hinaus ein sehr breit gestreutes Sortiment an Objektiven besaß. Dieses reichte von sehr günstigen Einsteigerobjektiven wie dem EF-S 18-55 IS und dem EF-S 55-250 IS (welche ich beide besessen habe) über günstige Festbrennweiten (EF 35/2, EF 50/1.8 II) bis hin zu den Premiumlinsen der L-Reihe, welche sich von ca. 500,- Euro (EF 70-200/4 L USM) bis in fünfstellige Preisregionen (die Superteles ab 400mm Brennweite) erstreckte. Da war, salopp formuliert, für jeden Topf der passende Deckel dabei. Wollte man eine Festbrennweite mit 50mm haben, so hatte man die Wahl zwischen dem 50/1.8 II für ca. 100,- Euro, dem 50/1.4 USM für um die 300,- und dem 50/1.2 L USM für über 1000,- Euro. Ähnliches galt für die anderen Festbrenner, so z.B. das 24/2,8 und das 24/1,4 L USM.

Was ist nun anders? Canon hat diese Woche drei neue Objektive vorgestellt, und die Preise, die dafür aufgerufen werden, bewegen sich meiner Meinung nach jenseits von Gut und Böse. Das 24-70/2.8 L USM II, die absolute “Brot und Butter”-Linse für die meisten Fotografen, liegt bei sagenhaften 2300,- Euro, was mehr als doppelt so viel ist wie beim Vorgänger, das 24/2.8 IS USM soll 829,- Euro kosten (das alte 24/2.8 kostete nichtmals 450,-) und das 28/2.8 IS USM wird mit einer UVP von 799,- Euro beziffert, was in etwa das vierfache der 200,- Euro ist, die das alte 28/2.8 derzeit kostet. Ich weiß nicht, was Canon zu dieser Preispolitik bewogen hat, aber mit dem “breit gestreuten” Sortiment ist jedenfalls Schluss. In Zukunft habe ich also nur noch die Wahl zwischen einer 24mm Festbrennweite für um die 800,- Euro oder für über 1000,- Euro.

Kommt mir das nur so vor, oder werden damit normale Hobbyfotografen mit einem etwas begrenzteren Budget irgendwie außen vor gelassen?

Dass die (teilweise 30 Jahre alten) Festbrenner im Weitwinkel-Bereich eine Überarbeitung gebrauchen konnten, war klar. Dass diese überarbeiteten Versionen teurer sein würden (zumal im UVP) als die alten, ist auch verständlich, schließlich handelt es sich hier um vollständige Neuentwicklungen, und auch der Ultraschallmotor sowie der (in meinen Augen nicht wirklich notwendige) Bildstabilisator müssen bezahlt werden. Dass Canon die Preise aber verdoppelt bzw. vervierfacht, erscheint mir jedoch maßlos übertrieben. Eine UVP von um die 500 – 600 Euro, so dass sich die Straßenpreise nach einer Weile bei ca. 400 – 500 einpendeln, hätte ich wesentlich angebrachter gefunden.

Ähnlich befremdlich erscheint mir der exorbitante Preis für das neue 24-70er. Das alte hatte ja einen bloß mittelmäßigen Ruf unter Fotografen, von daher war klar, dass irgendwann eine neue Version erscheinen würde. Bisher hatten – trotz anderslautender Aussagen von Canon – alle gehofft, dass eine aktualisierte Version dieser Standard-Linse auch einen Bildstabilisator mit an Bord haben würde. Und nachdem Tamron vor ein paar Tagen tatsächlich ein 24-70 mit Stabilisator vorgestellt und damit die praktische Machbarkeit einer solchen Konstruktion bewiesen hat, wurde dieser Wunsch noch größer. Stattdessen präsentiert Canon nun ein neues Zoom ohne Stabilisator für deutlich über 2000,- Euro. Zwar hat Tamron noch keinen Preis für sein 24-70 genannt, aber es ist zu erwarten, dass dieser eine ganze Ecke unter dem der Canon-Linse liegen wird. Wenn das Tamron jetzt in der optischen Leistung einigermaßen zu überzeugen weiß, dürfte es für die meisten Fotografen ein absoluter “no brainer” sein.

Hatte ich bisher gehofft, das Canon bald einen Nachfolger für das mittlerweile uralte EF 35/2 präsentieren würde, der in Abbildungsleistung und vor allem Preis mit dem neuen Nikon AF-S 35/1.8 (Kostenpunkt: unter 200,- Euro) konkurrieren kann, so fürchte ich nun, dass wir eher ein 35/2.8 IS USM für an die 1000,- Tacken präsentiert bekommen werden. Und dann muss man sich wirklich langsam überlegen, ob man nicht doch irgendwann zu Nikon wechselt… die (Crop-) Bodys sind ohnehin schon deutlich interessanter als bei Canon (siehe D7000 vs. 60D/7D), und wenn jetzt auch der Objektivpark bei Nikon besser – bzw. der von Canon schlechter – wird, insbesondere was das Verhältnis von Preis und Leistung angeht, gibt es in der Tat wenig Gründe, Canon noch sehr viel länger die Stange zu halten…

Was im deutschen Kindle-Store falsch läuft


Der Amazon Kindle. Ich bin wirklich extrem versucht, einen zu kaufen. Eigentlich schon seit ein paar Monaten. Der Grund ist ganz klar: Das Ding nimmt in der Tasche einfach viel weniger Platz weg als ein Buch, geschweige denn mehrere. Momentan schmökere ich mich durch George R. R. Martins A Song of Ice and Fire-Serie,wovon jeder Band ein Schinken mit 800 bis 1000 Seiten ist. Geht zwar problemlos ins vordere Fach meiner Tasche, ist aber a) schwer und b) doch recht sperrig und macht die Tasche dicker als mir lieb ist. So ein Kindle dagegen… den könnte man sogar ins flache Reisverschlussfach hinten flutschen lassen, wo er dann quasi komplett unsichtbar verschwinden würde. Und dann hätte man nicht nur den aktuellen Fantasy-Roman dabei, sondern auch noch ne Reihe Aufsätze für die Uni als PDF, vielleicht eine Zeitung oder Zeitschrift und noch einen ganzen Haufen mehr Lesestoff. Alles in allem also eine totale “win-win-Situation”. Mehr dabei bei weniger Platzbedarf und Gewicht. Seit Amazon vor kurzem den neuen – billigen – Kindle für 99,- Euro vorgestellt hat, kann ich meinem Kaufdrang kaum Einhalt gebieten.

Oder besser: Könnte. Wäre da nicht eine Kleinigkeit, die mich extrem nervt. Nicht am Kindle per se, sondern am deutschen Buchmarkt. Hier eine Illustration des Problems:


Nicht nur, dass es in Deutschland – im Vergleich zu den USA, wo es so gut wie jedes Buch als Kindle-Edition gibt – extrem wenige Bücher für Amazons eBook-Reader gibt, nein, die Dinger sind oftmals auch noch teurer als die jeweilige gedruckte Ausgabe! Das lässt sich natürlich leicht erklären. Schließlich ist es für die Verlage sehr viel aufwändiger, ein eBook an Amazon zu mailen, als ein Buch drucken und binden zu lassen und dann per Post zum Händler zu schicken. Und ich als Kunde habe bei einem eBook halt auch den Vorteil, dass ich es nicht (wirklich) verleihen oder verkaufen kann, wenn ich es ausgelesen habe. All das lassen die Verlage sich anscheinend bezahlen. Ah Moment, da passt was nicht? Sehe ich genau so! Wenn ich eine digitale Version kaufe, würde ich allein deshalb einen günstigeren Preis erwarten, weil der Verlag keine Kosten für Papier und Druck hat. Und dann sollte das Buch zudem günstiger sein, weil mir ja – so gesehen – die Option des Wiederverkaufs genommen wird. Ich würde also erwarten, dass eBooks ca. 60-75% der Druck-Ausgabe kosten. Und auf keinen Fall ein paar Euro mehr!

Allem Anschein nach machen die Buchverlage (die sind nämlich genauso wie bei den gedruckten Büchern auch für die eBook-Preise verantwortlich, Buchpreisbindung sei Dank) die gleichen Fehler, die die Musikwirtschaft in den 90ern mit dem Aufkommen von mp3s gemacht hat. Das Digitalangebot ist nur sehr spärlich und schlecht und dazu noch überteuert. In der Musik war es dann Apple, welches mit dem iTunes Store digitale Musikstücke zu vernünftigen Preisen anbot (und den Musik-Labels klare Regeln diktierte, was diesen überhaupt nicht geschmeckt hat) und somit eine erfolgreiche – und von den Nutzern akzeptierte – digitale Vermarktung von Musik etabliert hat. Ich habe die Hoffnung, dass Amazon jetzt ähnliches mit dem neuen Kindle schafft. Amazon hat schon lange die nötige Infrastruktur (riesiger erprobter Shop mit Millionen bereits existierender Kunden und funktionierendem Bezahlsystem), und jetzt gibt es auch ein sehr bezahlbares “Endgerät” in Form des günstigen Kindles. Was fehlt ist der Inhalt in ausreichender Menge und zu fairen Preisen. Im Idealfall kann Amazon allein durch die Tatsache, dass sich jetzt sehr viele Leute einen Kindle kaufen werden, genügend Druck auf die Verlage ausüben, endlich die Lücken im Sortiment zu schließen und die Preise zu senken. Schließlich sind die ganzen Kindle-Käufer potenzielle Kunden für die Verlagshäuser, die sollte man doch auch bedienen. Ich würde jedenfalls gerne deren Kunde sein, wenn das Angebot passt.

Noch eine letzte Anmerkung: Mir sind die Nachteile und Einschränkungen eines eBook-Readers, insbesondere des Kindle (proprietäres Format, keine Weitergabe möglich, quasi uneingeschränkter und willkürlicher Zugriff durch Amazon auf den persönlichen eBook-Bestand und das Kundenkonto, geschlossenes System), durchaus bewusst. Genauso wie bei Apples iTunes. Ich kann damit aber gut leben. Ich will meine Bücher einfach nur günstig kaufen und überall und einfach lesen können, ohne kiloweise Papier mit mir rumschleppen zu müssen. Das kann der Kindle, und das bietet (zumindest eingeschränkt) der Kindle-Store bei Amazon. Eine Diskussion darüber halte ich also für müßig.

Killerspiel-Debatte

Weil vermutlich niemand die Kommentare zu einem alten Blogeintrag zum Thema Verbot von “Killerspielen” liest, poste ich sie hier mal auszugsweise:

Wenn der Zugang für junge Spieler deutlich erschwert ist, müsste die Verbreitung auch über unerlaubte Wege viel schwieriger sein und die Kids hätten geringere Chancen an die Spiele zu kommen und die Eltern mit der Begrenzung der Spielzeiten nicht so einen Stress. Außerdem: wenn nur ein Irrer davon abgehalten wird, anderen zu schaden, ist ein Verbot auf jeden Fall gerechtfertigt. Viel besser wäre es, die Spielemacher würden Games entwickeln, die bei friedlichen Aktivitäten genauso spannend sind und Teamarbeit erfordern. Gewalt ist in unserem Zeitalter out, Terroristen werden auch nicht geduldet, warum dann spielerisch andere abknallen.

Ja, genau darum geht es ihm ja: Bereits bestehende Jugendschutzvorschriften effektiv durchzusetzen, und nicht, wie die Union es fordert, alles sofort für ALLE (also auch Erwachsene) zu verbieten.

Und was ist denn das für ein Vorschlag? Der Staat soll Dinge komplett verbieten und für illegal erklären, weil die Eltern nicht in der Lage sind, es ihre eigenen Kindern davon fernzuhalten? Dann wäre aber ein Komplettverbot von Alkohol, Zigaretten und dem halben deutschen Fernsehprogramm (von Tatort bis Vera am Mittag) wesentlich wichtiger! Ein ähnliches Verfahren wird ja aber bereits beim Thema Schulen angewandt: Warum sollen Eltern ihre Kinder vernünftig erziehen, dafür machen wir doch gerade lauter Ganztagsschulen auf, die sind dann dafür zuständig.

Ganz abgesehen davon, dass sich Amokläufe effektiver verhindern ließen, wenn man jeglichen privaten Waffenbesitz verbieten würde und ein offeneres und weniger “aussortierenderes” Schulsystem einführen würde. Aus mir unbekannten Gründen sperrt sich v.a. die CSU aber gegen beides. Zumindest im sogenannten bürgerlich Lager scheint also “Gewalt” noch mächtig “in” zu sein – oder wofür brauchen die die Schützenvereine?

Es wäre besser, die Kinder würden rechtzeitig lernen, sich anderweitig zu beschäftigen. Aber je mehr Spiele auf dem Markt sind, die dann zuerst bei Freunden und später dann auch zu Hause gespielt werden, um so schwieriger wird es, die Kinder auf andere Dinge um zu polen.

Auch hier wäre es doch wohl Aufgabe der Eltern und von mir aus teilweise auch der Schule, Kindern eine Alternative zu bieten und den ‘Konsum’ solcher Spiele mit geeigneten Mitteln zu beschränken. Und das Kinder versuchen, die ihnen gesetzten Grenzen zu überwinden, ist ja wohl das normalste von der Welt! Oder haben Kinder früher nicht versucht, bei Hausarrest zu flüchten oder sich trotz Verbot der Eltern mit einem Freund/Freundin zu treffen?

Noch was:viele junge Eltern sind ja auch schon spielbegeistert.( besessen), was sollen die denn ihren Kindern anderes Sinnvolles vermitteln? Schlechte Zeiten für die nächste Generation!

Was die nächste Generation angeht: Das war doch schon immer so! Im 18. Jahrhundert fürchtete man einen Verfall der Sitten durch übermäßiges und zügelloses Lesen (v.a. bei Frauen), vor 50 Jahren rauften sich Eltern die Haare, weil ihre Kinder durch die Beatles, die Rolling Stones und Elvis “the pelvis” Presley und deren “Negermusik” verdorben würde. Heute sind es die Computerspiele und Hip-Hop, und morgen dann irgendetwas anderes. Und ist irgendeine Generation völlig verkorkst? Ich glaube nicht…

Es wäre daher wohl mal angebracht, wenn sich die derzeit “herrschende” Generation intensiv, ernsthaft und ehrlich mit den Dingen auseinandersetzt, die sie der ‘Jugend’ (die ja mittlerweile bis zu 35 Jahre alt ist) als Laster vorwirft. Stattdessen werden Veranstaltungen, bei denen Eltern, Lehrer und Politiker einmal selbst Computerspiele im großen Rahmen spielen sollten mit dem Hinweis auf den Amoklauf in Winnenden untersagt.

Außerdem, wie würdest du die Sache beurteilen, wenn deine Freundin bei so einem Amoklauf getötet würde?

Zu diesem doch ziemlich fiesen Argument möchte ich folgendes sagen: Ich weiß nicht, wie ich die Sache dann sehen würde, und ich möchte es auch nie herausfinden. Ich glaube aber, dass ich dann trotzdem in erster Linie dafür wäre, alle Schusswaffen in Privathaushalten zu verbieten, und erst in zweiter Instanz für eine Einschränkung oder gar ein Verbot von bestimmten Comptuerspielen eintreten würde. Genau das gleiche tun übrigens im Moment die Angehörigen der Opfer des Amoklaufs in Winnenden!

Abgesehen davon wäre ich in einer solchen Situation aber der letzte, der darüber dann zu entscheiden haben sollte. Das wäre ja so, als würde man die Angehörigen eines Mordopfers das Urteil über den Mörder sprechen lassen. Es gibt glaube ich genug Argumente, weshalb in einem Rechtsstaat jemand, der so dermaßen befangen ist, als Richter keinen Prozess führen darf!

Abgesehen davon bin ich als potentieller Lehrer wohl deutlich stärker der Gefahr ausgesetzt, Opfer eines Amoklaufs zu werden, als meine Freundin. Und darüber habe ich mir schon manche Gedanken gemacht… Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bin ich nicht für ein generelles Verbot von Gewalt beinhaltenden Spielen, sondern viel mehr für ein vollständiges Verbot von Schusswaffen in allen Haushalten. Zusätzlich müssen Kinder, die im System “Schule” leistungsmäßig oder sozial gescheitert sind, aufgefangen werden. Es kann nicht sein, dass jemand nur schlechte Noten schreibt, von der Schule fliegt oder sozial isoliert ist, und niemand kümmert sich um sie oder ihn. Hier wäre einfach mal angebracht, mehr Sozialpädagogen, Beratungslehrer oder anderes psychologisch geschultes Personal an den Schulen einzustellen. Übrigens wird genau dies laut einer Umfrage der Lehrergewerkschaft GEW von einem Großteil der deutschen Lehrer gefordert. Aber das würde ja mehr Geld kosten, als einfach mal ein paar “böse Spiele” zu verbieten.

Freedom of Speech!?

Ich bin ja auch manchmal gerne ein Besserwisser, aber irgendwie ist das ultimative Kompendium der Besserwisserei ja Bastian Sicks “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”, welches jedem der deutschen Sprache halbwegs mächtigen Menschen ermöglicht, bei jeder x-beliebigen Gelegenheit “Halt! Falsch!” zu schreien und unter Verweis auf das genannte Werk auf irgendwelche Formulierungen hinzuweisen, die es ja gar nicht gebe.

Wer ist dieser Bastian Sick, dass er sich anmaßt, Muttersprachlern vorzugeben, wie sie _ihre_ Sprache zu benutzen haben? Solche sprachlichen Besserwisser sind genau so schlimm wie die KuMi-Konferenz, die sich einbildet, über die Köpfe von über hundert Millionen Sprechern hinweg entscheiden zu können, was richtiges, besseres oder einfacheres Deutsch sei.

Grundsätzlich kann jeder Muttersprachler sagen, was er will, und es kann per definitionem nicht falsch sein (denn wer, wenn nicht die Sprecher einer Sprache, legt fest, wie diese Sprache zu verwenden ist). Es mag ja sein, dass es eine ungebräuchliche Verwendung ist, aber es gleich als falsch zu bezeichnen und “geht nicht” zu schreien zeugt eigentlich von nichts anderem als der eigenen Kleinkariertheit und Engstirnigkeit. Im Übrigen verändert sich Sprache ständig, und was vor fünf Jahren “falsch” war ist heute vielleicht schon “richtig”. Ich sage nur die Formulierung “in 2007″ für Datumsangaben. Gibt’s im Deutschen eigentlich auch nicht, wird aber mittlerweile so oft verwendet, dass es in absehbarer Zeit wohl zur Standardsprache gehören wird.

Ein weiteres Beispiel ist die Formulierung “es macht Sinn (dieses und nicht jenes zu tun).” Hier findet man dann gleich den Hinweis, dass es ja eigentlich “es ergibt Sinn” an Stelle von “es macht Sinn” heißen müsse.
Dabei ist es ja semantisch ein Unterschied, ob etwas “Sinn ergibt” oder “Sinn macht”. “Sinn ergeben” bedeutet ja soviel wie “logisch und verständlich sein” oder “ich habe das zu Grunde liegende Prinzip verstanden”. “Sinn machen” bedeutet hier jedoch, dass es “sinnvoll” im Sinne von “vernünftig” oder “eine kluge Entscheidung” ist, also etwas völlig anderes. Dass es sich grundsätzlich dabei um eine Lehnbildung vom englischen “it makes sense” handelt, welches wiederum die Übersetzung von “es ergibt Sinn” ist, ist mir bewusst, es stört hierbei aber nicht. Sprache ist immer nur ein Werkzeug zur Übermittlung von Informationen. Und ob man die Weißwurst nun zutzelt oder schneidet ist egal, Hauptsache man wird satt. Von daher kann der gute Bastian Sick mal schön nach Hause gehen.

In diesem Sinne, man lasse sich seine Gedanken nicht durch Sprachregulierung einschränken. Denn wie war das noch, der Geist endet an den Grenzen der Sprachen (oder so ähnlich) – und wenn man halt etwas mehr Geist hat, muss man eben auch die Sprache erweitern!

PS: Wie gut es doch ist, ein eigenes Blog zu haben, auf dem man seine Meinung nach Belieben kund tun kann, ohne dass einem jemand sagt, was man sagen kann oder darf und was nicht. So. :-P

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